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Kindheit
Geboren und aufgewachsen bin ich in der chinesischen Provinz Henan – sie liegt mehrere hundert Kilometer südlich von Peking und westlich von Shanghai entfernt. Als ich noch ein Kind war, erzählte mir meine Mutter gern ihre Erlebnisse, insbesondere aus ihrer Schulzeit. An vieles kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Aber was mich sehr beeindruckt hat war, wie gut sie die Texte und Gedichte, die sie in ihrer Schulzeit gelernt hatte, und von denen sie immer noch sehr begeistert war, noch auswendig aufsagen konnte. Ich habe daher auch immer gedacht, dass ich später in der Schule genau so gut aufpassen sollte.
Als jüngste Tochter meiner Eltern und die kleinste Schwester meiner Brüder und Schwestern war meine Kindheit von Liebe und Zuneigung geprägt. Zugleich wurde aber auch sehr viel Wert auf Disziplin gelegt. Meine Mutter fand es nicht gut, wenn ich z.B. einen kurzen Rock trug, meine Harre offen ließ oder mir die Nägel lackieren wollte. Mein Vater betonte dagegen, dass man ehrlich sein und sich korrekt verhalten sollte.
In der chinesischen Kultur spiegelt der Name oft die Wünsche der Eltern wieder. Liu ist mein Familiename. "Xiu" bedeutet schön, lieblich, graziös; "Mei" ist ein typischer Name für Frauen, er bedeutet "Schönheit", man verbindet damit insbesondere chinesische Essigpflaumen. Wenn ich in Deutschland meinen Namen buchstabieren muss, fällt mir auf, dass es für einen Deutschen bzw. Europäer nicht einfach ist, sich einen chinesischen Namen zu merken. Aus diesem Grund bin ich in meinem internationalen Freundeskreis unter der Kurzform Mei besser bekannt als unter Xiumei.
Im Jahr 1976 starb der Vorsitzende der chinesischen Volksrepublik Mao (1893-1976). Der Einfluss Mao´s auf die Gesellschaft war ende der siebziger Jahre noch sehr stark. Ich kann mich noch erinnern, dass überall an den Wänden der öffentlichen Gebäude Sprüche von Mao zu lesen waren. In vielen Familien wurde im Wohnzimmer ein großes Porträt von Mao aufgehängt.
Als Kind habe ich gelesen, dass wir Mao, die kommunistische Partei, unser Land und die Bevölkerung lieben sollten und dass kollektiver Nutzen wichtiger als individuelles Interesse ist. Meine Eltern haben auch immer wieder angedeutet, dass wir an die Gesellschaft denken und versuchen sollten, den anderen hilfsbedürftigen Menschen zu helfen.
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