Impressum Kontakt links

Der Weg nach Deutschland

Wenn man den Lebensweg einer Person als eine lebenslang andauernde Entwicklung dieser Person betrachtet, haben meine Erlebnisse in Deutschland mich in diesem Entwicklungsprozess sehr weitergebracht. Sicher war der Schritt, aus meiner eigenen Wohnung vorerst auszuziehen und meine Familie und Freunde zu verlassen und hier in Deutschland wieder mit dem Studium anzufangen, damals keine leichte Entscheidung für mich.

Mit der damaligen Situation war ich nicht unzufrieden. Schule, Bildung, eine sichere Stelle, ein festes Einkommen, nette Kollegen, alles klappte, wie ich es gewollt hatte. Deutschland ist knapp zehntausend Kilometer entfernt von China. Deutschkenntnisse besaß ich keine. Die Sprache zu erlernen, bedeutet mit den 26 Buchstaben anzufangen. Ich kannte das Land und sein Schulsystem nicht wirklich. Eine konkrete Vorstellung von dem studentischen Leben in Deutschland hatte ich nicht. Auch hatte ich wenig Ahnung, wie man sich dort begrüßt oder wie man die Hand schüttelt. Zwar hatte ich gelesen bzw. gehört, dass die Deutschen generell korrekt und zuverlässig sind, aber was all dies im konkreten Fall bedeutet, war mir nicht bekannt. Mich einer anderen Kultur anzupassen, war eine Herausforderung.

Lao Tse sagte: „Andere zu erkennen, bedeutet Weisheit, sich selbst zu erkennen, bedeutet Erleuchtung! Andere zu besiegen, erfordert Kraft, sich selbst zu besiegen, erfordert Stärke“. Seitdem ich mich besser kenne, weiß ich, wie gerne ich meine Zeit mit Büchern verbringe. Auch war ich plötzlich mit der Frage konfrontiert, ob ich lebenslang als Krankenschwester tätig sein möchte und ob der Beruf Krankenschwester zu meiner persönlichen Stärke wirklich passt. Ich stellte fest, dass ich ein Mensch bin, der nicht immer und ewig in derselben Straße wohnen möchte, der gerne Veränderung erlebt und neue Aufgaben braucht, die ihn fordern.

Dass der Mensch Veränderung braucht, um sich weiterzuentwickeln, glaube ich fest. Man muss also einen entscheidenden Schritt tun, um seine Lebensträume zu verwirklichen.

Mit meinem deutsch-chinesischen Wörterbuch – das hatte ich zuerst eingepackt – im Koffer und der Zulassung der Universität Kassel (http://cms.uni-kassel.de/) in der Tasche, begann meine Flugreise in die Mitte Europas.

Sicherlich war ich neugierig, aufgeregt und gespannt auf das, was auf mich zukommen würde. Aber Angst hatte ich nicht. Ganz im Gegenteil: Nachdem ich die Entscheidung getroffen hatte, fühlte ich mich sehr erleichtert und sehr viel Energie und Enthusiasmus in mir. Meine innere Stimme sagte mir, dass ich auf dem richtigen Weg war. Von meiner Neugier und Wissbegierde ermutigt, folgte ich also dieser inneren Stimme.

Ein Freund von mir, der seinerzeit an der Technischen Universität Clausthal in Deutschland ( http://www.tu-clausthal.de/) promovierte und mich bei der Bewerbung um einen Studienplatz sehr unterstützte, hat als er uns in China besuchte, immer nur Gutes über Deutschland berichtet. Nun wollte ich das Land für mich selbst entdecken. Ich fühlte mich hingezogen zu diesem Land und seinen Menschen, die mein Leben bereichern würden.

Neun Stunden dauerte der Flug. Um acht Uhr abends kam ich in Kassel an. Der Taxifahrer merkte, dass ich allein und neu in Deutschland war. Er brachte mich zu einem studentischen Wohnheim, in der Hoffnung mir könne dort jemand weiterhelfen. Ein Student der Universität Kassel empfing mich. Stundenlang telefonierte er, um mir ein Hotelzimmer zu besorgen. Genau an diesem Abend zeigte er mir den Herkules in Kassel-Wilhelmshöhe. Die Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Bevölkerung dieses Landes, in dem ich meine jahrelange Studienzeit verbringen wollte, habe ich also bereits bei der Ankunft kennergelernt. Das war im Juni 1999.
Liebe Besucherinnen und Besucher! Herzlich willkommen auf meinen Internet-Seiten! Für Anregungen, Verbesserungsvorschläge und Korrekturhinweise bin ich dankbar! Xiumei Liu 2008
Deutsch EnglishChinese